Article – In Hamburg sorgt ein ungewöhnlicher Fall für Diskussionen: Ein Wolf, der vor wenigen Tagen eine Frau verletzte, ist wieder in Freiheit. Das Tier trägt nun einen Sender und wird rund um die Uhr überwacht. Laut Umweltbehörde gab es kaum Alternativen zu dieser Entscheidung.
Der Vorfall ereignete sich Anfang April in Hamburg-Altona. Ein junger Wolf verirrte sich in eine Einkaufspassage. Dabei kam es zu einer Begegnung mit einer 60-jährigen Frau. Sie erlitt eine Verletzung im Gesicht und wurde ambulant behandelt. Die Polizei fing das verängstigte Tier schließlich an der Binnenalster ein.
Was dann folgte, war eine Debatte über Deutschlands Umgang mit Wölfen. Die Hamburger Umweltbehörde prüfte mehrere Optionen. Ein Wildgehege? Rechtlich nicht möglich. Eine Tötung? Ebenfalls ausgeschlossen. „Da blieb eigentlich nur Auswildern», erklärt Senatssprecher Dennis Heinert. Das Tier wurde mit einem Sender ausgestattet und freigelassen.
Fachleute des LIFE-Projekts „Wild Wolf» beobachten das Tier nun kontinuierlich. Die Botschaft ist klar: Nähert sich der Wolf erneut Siedlungen, können Jäger eingreifen. Umweltsenatorin Katharina Fegebank hofft auf einen anderen Ausgang: „Mit der Auswilderung beginnt für den Wolf nun ein neues Leben – hoffentlich abseits der Stadt.»
Ich habe in zwanzig Jahren viele Wildtier-Geschichten begleitet. Dieser Fall zeigt deutlich: Deutschland kämpft mit der Rückkehr des Wolfs. Erst Ende März wurden Wölfe ins Bundesjagdrecht aufgenommen. Von Juli bis Oktober dürfen sie nun bejagt werden.
Für mich bleibt die Frage: Können wir wirklich mit Wildtieren vor der Haustür leben? Der Hamburger Wolf wird zeigen, ob Beobachtung und Vertrauen ausreichen. Oder ob wir strengere Regeln brauchen. Die nächsten Wochen werden es zeigen. Der Wolf ist jetzt irgendwo in der Natur unterwegs – mit einem Sender am Hals und vielen skeptischen Blicken im Rücken.