In Hamburg-Altona ist Montagabend das Undenkbare passiert. Eine Frau wurde in einer belebten Einkaufsstraße von einem Wolf gebissen. Seit der Wiederansiedlung der Tiere 1998 gab es so einen Fall in Deutschland noch nie. Das Bundesamt für Naturschutz bestätigt: Dies ist der erste dokumentierte Angriff auf einen Menschen.
Der Vorfall ereignete sich nahe einem Ikea-Markt. Wie genau es dazu kam, untersuchen die Behörden noch. Was wir wissen: Das Tier wurde später an der Binnenalster aus dem Wasser gezogen. Die Polizei nutzte dafür eine Schlinge. Ein Bild, das man sonst eher aus amerikanischen Großstädten kennt – nicht aus Hamburg.
Ich habe in fast zwanzig Jahren viele ungewöhnliche Geschichten berichtet. Aber ein Wolf mitten in der Hamburger Innenstadt? Das übertrifft vieles. Klaus Hackländer von der Deutschen Wildtierstiftung sagt: „Die Wahrscheinlichkeit ist groß aufgrund der hohen Anzahl an Wölfen, die wir mittlerweile haben.» Experten vermuten, dass es sich um einen jungen Wolf handelt. Ein Tier auf Wanderschaft, das sein Rudel verlassen hat.
Seit 150 Jahren galten Wölfe hier als ausgerottet. Nach dem Mauerfall kamen sie über Polen zurück. Heute leben sie in vielen Bundesländern. Die Population wächst stetig. Der Hamburger Umweltbehörde zufolge war das Tier bereits am Wochenende in Blankenese und Nienstedten gesichtet worden. Vermutlich suchte es einen Weg aus der Stadt.
Der Fall wirft Fragen auf, die wir dringend diskutieren müssen. Wie gehen wir mit wachsenden Wolfspopulationen um? Welche Schutzmaßnahmen brauchen Städte? Mehr Informationen zur Begegnung mit Wölfen finden Sie beim Bundesamt für Naturschutz. Der Wolf sitzt jetzt in einem Wildgehege. Sein Schicksal ist ungewiss. Unseres vielleicht auch – zumindest, wenn es um unser Verhältnis zur Natur geht.