In Stade schweigt das Haus nun, in dem vor wenigen Wochen unvorstellbares Leid geschah. Während die Tat selbst schrecklich ist, wirft das Bekanntwerden neuer Hintergründe ein noch düsteres Licht auf dieses Geschehen. Hier zeigt sich ein Behördenversagen, das mich als langjährige Beobachterin deutscher Sicherheits- und Einwanderungsstrukturen tief erschüttert.
Nach Informationen von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ erhielten deutsche Stellen schon 2017 einen mündlichen Hinweis: Der später mutmaßliche Täter, Fatih Khan G., soll damals aus einem türkischen Gefängnis geflohen sein. Eine Anfrage bei der Türkei verlief laut rot-grüner Landesregierung jedoch im Sande – die Person sei dort nicht bekannt, hieß es. Dieser Mann, über den eine potenziell wichtige Sicherheitsinformation vorlag, konnte sich offenbar jahrelang im Land bewegen. Die niedersächsische Landesregierung bestätigt nun: Zum Zeitpunkt der tödlichen Schüsse in der Mutter-Kind-Einrichtung war er ausreisepflichtig.
Wie kann das sein? Die Antwort liest sich wie ein trauriges Protokoll gescheiterter Kommunikation zwischen Behörden. Der Mann war im Ausländerzentralregister erfasst, wechselte mehrfach den für ihn zuständigen Dienstort – von Hannover über Braunschweig – und war zeitweise sogar als „ins Ausland verzogen“ gemeldet. „Den Menschen ist nicht zu vermitteln, dass sich jemand ohne Aufenthaltsrecht offenbar über Jahre in unserem Land bewegt, mit Behörden und sogar mit der Polizei in Kontakt kommt und trotzdem niemand die notwendigen Konsequenzen zieht“, fasst Carina Hermann, CDU-Politikerin in Niedersachsen, die allgemeine Empörung treffend zusammen. Sie spricht von einem klaren Behördenversagen.
Ein persönlicher E-Mail-Kontakt des Mannes mit der Ausländerbehörde Hannover im Mai 2021 blieb ergebnislos, ein erforderliches persönliches Gespräch fand nie statt. Diese Passivität ist fatal. In meiner Zeit als Reporterin habe ich oft gesehen, wie komplex und überlastet unsere Behördenlandschaft ist. Doch dieser Fall zeigt ein System, in dem Warnsignale untergehen und Zuständigkeiten zerfließen, mit tödlichen Konsequenzen.
Da der mutmaßliche Täter sich in der Untersuchungshaft das Leben nahm, wird es keinen Prozess geben, der alle Fragen beantworten könnte. Die Ermittlungen gegen ihn wurden eingestellt. Nun bleibt eine zerrüttete Gemeinde zurück und die bohrende Frage, ob diese Tragödie hätte verhindert werden können. Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in den staatlichen Schutz wird durch solche Enthüllungen auf eine harte Probe gestellt. Es braucht jetzt lückenlose Aufklärung – nicht nur über die Tat, sondern über jedes Versäumnis, das sie möglich gemacht hat.
- Behördenversagen
- Sicherheitsinformationen
- Kommunikationsprobleme
- Regelmäßige Dienstortwechsel
- Persönlicher Kontakt ohne Ergebnis
- Aufklärung nötig
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Täter | Fatih Khan G. |
| Hinweis Jahr | 2017 |
| Behördenkommunikation | Gescheitert |
| Versäumnis | Persönliches Gespräch fehlte |
| Aktueller Status | Ermittlungen eingestellt |
| Notwendigkeit | Aufklärung |