In Düsseldorf beobachte ich seit Monaten, wie sich Bautätigkeit und Stimmung am Bau verändern. Der kürzlich veröffentlichte Bau-Monitor 2026 gibt meinen Eindrücken eine bittere Zahl: Der Einbruch beim Wohnungsbau hat die gesamte deutsche Konjunktur merklich ausgebremst. Laut der Studie des Pestel-Instituts, die im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel erstellt wurde, wurden 2025 bundesweit rund 84.600 Wohnungen weniger fertiggestellt als noch zwei Jahre zuvor. Das ist mehr als nur eine Branchenkrise.
„Wirtschaftswachstum funktioniert nur mit mehr Wohnungsbau“, erklärt Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, treffend. Der Netto-Umsatzverlust allein für die Bauwirtschaft wird auf 26,9 Milliarden Euro beziffert. Doch die Folgen reichen viel weiter. Das Bruttoinlandsprodukt fiel um 0,6 Prozentpunkte geringer aus und den öffentlichen Kassen entgingen sieben Milliarden Euro an Steuern. Die Grundrechnung ist einfach: Wo nicht gebaut wird, wird auch nicht investiert und der Wirtschaftskreislauf lahmt.
Die Knappheit wird zur doppelten Bremse. Aktuell fehlen laut Studie 1,35 Millionen Wohnungen. Wo bezahlbarer Raum fehlt, bleiben auch Arbeitsplätze unbesetzt. „Menschen ziehen nicht zum neuen Arbeitsort, wenn sie sich dort keine Wohnung leisten können“, so Günther. Das spüren wir in starken Regionen wie Nordrhein-Westfalen, wo allein 364.000 Wohnungen fehlen, oder in Bayern mit 220.000. Es ist ein Teufelskreis aus mangelnder Attraktivität für Fachkräfte und gebremstem Wachstum.
Die Branche blickt sorgenvoll nach vorn. „Der Absturz beim Wohnungsbau ist fatal“, warnt Katharina Metzger, Präsidentin des Baustoff-Fachhandel-Verbands. Für 2026 erwartet sie einen weiteren Schlag: nur noch 185.000 Neubauwohnungen. Gleichzeitig kritisiert sie geplante Kürzungen der Bundesförderung. Stattdessen brauche es Verlässlichkeit und mutige Vereinfachungen, wie den geplanten Gebäudetyp E.
Für uns alle bedeutet das: Die Wohnungsfrage ist längst zur Wachstumsfrage geworden. Jede nicht gebaute Wohnung ist nicht nur ein verlorenes Zuhause sondern auch ein Stück weniger Zukunft für unsere Wirtschaft. Wir müssen uns fragen, welchen Wohlstandsverlust wir uns noch leisten wollen, bevor die Politik konsequent gegensteuert.
- Einbruch beim Wohnungsbau
- Wirtschaftswachstum hängt vom Wohnungsbau ab
- Umsatzverlust der Bauwirtschaft bei 26,9 Milliarden Euro
- Fehlende 1,35 Millionen Wohnungen
- 364.000 Wohnungen fehlen in Nordrhein-Westfalen
- 185.000 Neubauwohnungen erwartet für 2026
| Fakt | Zahl |
|---|---|
| Fehlende Wohnungen in Deutschland | 1,35 Millionen |
| Umsatzverlust der Bauwirtschaft | 26,9 Milliarden Euro |
| Weniger Neubauwohnungen (2025) | 84.600 |
| Fehlende Wohnungen in NRW | 364.000 |
| Fehlende Wohnungen in Bayern | 220.000 |
| Erwartete Neubauwohnungen (2026) | 185.000 |