Gestern Abend auf dem Hamburger Dom: 23 Menschen saßen fast anderthalb Stunden in schwindelerregenden 25 Metern Höhe fest, nachdem ein Kettenkarussell stehen blieb. Eine heikle Situation, die vielen Besuchern den Atem stocken ließ. Doch niemand wurde verletzt, und der Vorfall wirft eine grundsätzliche Frage auf, die über den Michel hinaus bis nach München oder Stuttgart relevant ist: Wie sicher sind unsere Jahrmarktsattraktionen eigentlich?
Die Antwort des Deutschen Schaustellerbundes ist deutlich. „Deutsche Fahrgeschäfte gehören zu den sichersten der Welt“, sagt Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg. Das klingt nach einer starken Behauptung, aber sie wird von einem mehrstufigen Kontrollsystem untermauert, das ich in meiner Zeit als Reporterin immer wieder als beeindruckend detailliert kennenlernte. Bevor ein Karussell überhaupt aufgebaut wird, durchläuft es eine technische Erstprüfung, bei der jedes Schraube, jeder Stromkreis und jeder Notfallplan begutachtet wird. Das kennen wir vom TÜV fürs Auto – hier ist es oft noch strenger.
Was viele nicht wissen: Ein solches Großfahrgeschäft wird nicht einfach für immer zugelassen. Es braucht alle ein bis drei Jahre eine neue Ausführungsgenehmigung. Vor jedem Volksfest kommt dann die örtliche Bauaufsicht zur Gebrauchsabnahme – eine Art letzter Check vor dem Start. „Beschickt der Schausteller 20 bis 25 Feste pro Jahr, wird entsprechend häufig diese Gebrauchsabnahme durchgeführt“, so Hakelberg. Hinzu kommt eine weltweit einmalige Sonderprüfung alle vier bis sechs Jahre, bei der hochbelastete Teile mit modernster Technik auf Mikrorisse untersucht werden.
Der gestrige Vorfall zeigt jedoch: Selbst das beste System kann technische Defekte nicht ausschließen. Er zeigt aber auch, dass die Notfallplanung zu funktionieren scheint. Die Feuerwehr war mit 45 Kräften vor Ort, versorgte die Festsitzenden mit Decken und brachte sie schließlich sicher nach unten. Genau für solche Szenarien werden Rettungspläne vorab mit den lokalen Einsatzkräften abgestimmt – eine Vorsorge, die offenbar griff.
| Prüfungsart | Frequenz | Details |
|---|---|---|
| Technische Erstprüfung | Vor jedem Aufbau | Überprüfung aller Teile und Notfallpläne |
| Ausführungsgenehmigung | Alle 1-3 Jahre | Neue Genehmigung erforderlich |
| Gebrauchsabnahme | Vor Volksfesten | Letzter Check durch Bauaufsicht |
| Sonderprüfung | Alle 4-6 Jahre | Überprüfung auf Mikrorisse |
| Tägliche Prüfung | Täglich | Durch Schausteller vor Betriebsbeginn |
| Notfallplanung | Immer | Abstimmung mit lokalen Einsatzkräften |
Am Ende bleibt ein Gedanke, den man in der Hektik des Dom-Besuchs leicht vergisst: Die größte Sicherheitskontrollinstanz ist oft der Schausteller selbst. Er kennt seine Anlage wie seine Westentasche, prüft sie täglich vor Betriebsbeginn. Sein wirtschaftliches Überleben hängt vom Vertrauen der Gäste ab. Vielleicht ist das der wichtigste Sicherheitsfaktor von allen: die eigene Verantwortung. Mehr dazu beim Deutschen Schaustellerbund.