Die Bilder gingen um die Welt: Menschen saßen stundenlang in schwindelnder Höhe fest, eingeklemmt in den Gondeln eines Karussells. Auf dem Hamburger Dom, unserer großen Freiluft-Attraktion an der Elbe, war das Vertrauen in die Technik plötzlich brüchig. Ein technischer Defekt legte das Kettenflieger lahm, die Feuerwehr musste 23 Gäste aus 25 Metern Höhe befreien. Zum Glück blieb es bei einem Schreck, niemand wurde verletzt. Doch der Vorfall wirft eine grundsätzliche Frage auf, die sich in jedem Frühjahr neu stellt: Wie sicher sind eigentlich unsere Fahrgeschäfte?
Der Deutsche Schaustellerbund verweist auf ein mehrstufiges Kontrollsystem, das weltweit als vorbildlich gilt. Jedes neue Karussell muss durch die Mühlen einer extrem detaillierten Erstprüfung, erklärt Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg. Dabei schauen Experten von TÜV oder Landesgewerbeanstalten nicht nur auf Schrauben und Elektrik. „Auch der Brandschutz oder eine Havarie werden bei der Konstruktion immer mitbedacht“, sagt Hakelberg. Detaillierte Rettungspläne seien Pflicht. Bevor ein Geschäft auf einem Fest wie dem Wasen in Stuttgart oder der Kieler Woche überhaupt aufgebaut wird, braucht es eine Ausführungsgenehmigung. Und dann kommt die örtliche Bauaufsicht, die vor Festbeginn nochmal alles prüft – inklusive Probefahrt. „Beschickt der Schausteller 20 bis 25 Feste pro Jahr, wird entsprechend häufig diese Gebrauchsabnahme durchgeführt“, so Hakelberg.
Trotz aller Vorschriften bleibt ein menschlicher Faktor. Der Betreiber kennt seine Maschine am besten, checkt sie täglich vor der ersten Fahrt. Seine Existenz hängt davon ab. Und alle vier bis sechs Jahre steht eine weltweit einmalige Sonderprüfung an, bei der hochbelastete Teile mit modernsten Methoden durchleuchtet werden. Millionen Menschen legen jedes Jahr unbeschwerte Kilometer in diesen Attraktionen zurück. Die Statistik spricht für die Sicherheit.
Doch Statistiken sind eines, das Gefühl im Magen ein anderes. Der Vorfall in Hamburg zeigt: Selbst das beste System kann nicht jede Unwägbarkeit ausschließen. Vielleicht ist das die eigentliche Lehre. Wir vertrauen unserem Vergnügen einer komplexen Technik an, die von Menschen gewartet und überwacht wird. Das verlangt ständige Wachsamkeit – von den Prüfern, den Betreibern und auch von uns Besuchern. Ein Restrisiko bleibt. Die Frage ist, ob wir es für das Kribbeln im Bauch, den Blick über die Dächer der Stadt, dieses pure Lebensgefühl auf der Höhe, in Kauf nehmen wollen.
- Mehrstufiges Kontrollsystem
- Erstprüfung durch Experten
- Brandschutz und Havarie berücksichtigt
- Detaillierte Rettungspläne
- Regelmäßige Gebrauchsabnahme
- Einzigartige Sonderprüfung alle vier bis sechs Jahre
| Faktor | Beschreibung |
|---|---|
| Kontrollsystem | Mehrstufig und weltweit vorbildlich |
| Erstprüfung | Durch TÜV oder Landesgewerbeanstalten |
| Sicherheitsaspekte | Schrauben, Elektrik, Brandschutz |
| Rettungspläne | Detaillierte Pläne sind Pflicht |
| Gebäudeprüfung | Vor Festbeginn durch Bauaufsicht |
| Sonderprüfung | Alle vier bis sechs Jahre |