In Hamburg gehen am Sonntag die ersten Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie los. Die IG Metall hat die Beschäftigten in mehreren Betrieben im Norden dazu aufgerufen. Es geht um mehr als nur um Tariflöhne, es geht um den Druck, in einer Krise den sozialen Zusammenhalt zu wahren. Das ist das Ergebnis der gescheiterten dritten Verhandlungsrunde für die norddeutschen Küstenländer am Freitag. Über 70.000 Beschäftigte in Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen sind betroffen.
„Die Arbeitgeber lassen uns mit ihren Vorschlägen völlig im Regen stehen“, sagt Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall Küste, mit einer Deutlichkeit, die kaum zu überhören ist. Die Forderung liegt bei 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 300 Euro monatlich, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeberseite sprach zuletzt von einem nicht mehr finanzierbaren „Wohlstandsprogramm“. Diese Polarisierung ist kein Zufall.
Seit über zwanzig Jahren berichte ich über Arbeitskämpfe. Die Stimmung heute ist eine andere. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten sind größer, die Ängste vor Deindustrialisierung und Jobverlust sitzen tief. Viele Fachkräfte hier im Norden sagen mir, sie fühlen sich von der Politik alleingelassen. Der Streik ist für sie ein Mittel, um gehört zu werden, nicht nur am Verhandlungstisch, sondern auch in der öffentlichen Debatte.
Die Arbeitsniederlegungen werden erste spürbare Produktionsausfälle bringen. Sie setzen ein deutliches Signal an die gesamte Wirtschaftsregion. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Mitte der Woche angesetzt. Ob der Schulterschluss der Belegschaften die Arbeitgeber zu neuen Angeboten bewegt, bleibt die zentrale Frage dieses Konflikts. Letztlich zeigt sich hier, wie viel Wert unsere Gesellschaft auf gute Arbeit legt.
- Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie
- IG Metall ruft Beschäftigte auf
- Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn
- Über 70.000 Beschäftigte betroffen
- Ängste vor Deindustrialisierung und Jobverlust
- Streik als Mittel der Gehörverschaffung
| Land | Betroffene Beschäftigte | Forderung |
|---|---|---|
| Hamburg | 70.000+ | 6,5% mehr Lohn |
| Schleswig-Holstein | 70.000+ | 300 Euro monatlich |
| Bremen | 70.000+ | 12 Monate Laufzeit |