In Düsseldorf zeigen Bürgerinnen und Bürger was ihnen Kultur bedeutet. Rund 2000 Menschen füllten gestern Abend die Straßen der Carlstadt, um gegen einen sogenannten Kulturspaziergang der AfD zu demonstrieren. Der Dortmunder AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich wollte eigentlich einen Vortrag zur «Kulturpolitik von rechts» halten. Stattdessen erlebte er, wie vielfältig und lebendig der kulturelle Widerstand in dieser Stadt ist.
Was die AfD unter Kulturpolitik versteht, ist in ihrem eigenen Positionspapier nachzulesen. Dort fordert die Partei eine Fokussierung auf deutsche Identität und die Streichung von Fördergeldern für Kunst, die sich gegen nationale Symbole richtet. In Düsseldorf versucht die AfD-Ratsfraktion bereits jetzt, Mittel für die freie Szene und Einrichtungen wie das zakk zu kürzen. Generalintendant Andreas Karlaganis sagte dazu: «Ein Vortrag mit dem Titel ‚Kulturpolitik von rechts‘ stellt für sich bereits einen Widerspruch dar.» Er verwies auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Freiheit der Kunst garantiert.
Deshalb haben sich Düsseldorfer Kulturschaffende zusammengeschlossen. Ihr Bündnis «Düsseldorfer Kultur für Demokratie» organisierte den friedlichen Protest. Am Goethe-Museum führte das Stadtkollektiv Teile der Revue von Friedrich Holländer auf. Die Omas gegen Rechts standen am Grabbeplatz mit einem klaren Statement: «Heine hätte sich zu uns gestellt!» Es waren nicht nur Aktivisten, sondern auch ganz normale Bürger, Galeristen und Künstler, die ihre Haltung zeigten.
Auffällig war das Verhalten der Polizei. Sie bildete ein Schutzspalier für die AfD-Gruppe und räumte Gegendemonstranten teils rüde aus dem Weg. Wer zur AfD gehörte, durfte provozieren – wer dagegen protestierte, wurde gedrängt und eingeschränkt. Selbst als sich eine Gruppe unter dem Motto «Carlstadt ist bunt. Nicht braun» versammelte, riegelte die Polizei die Bilker Straße für andere Demonstranten ab. Solche Unterschiede in der Behandlung habe ich in meiner langjährigen Berichterstattung immer wieder beobachtet. Sie hinterlassen ein ungutes Gefühl.
Die Veranstaltung zeigt ein klares Muster. Die AfD versucht, Kulturbetriebe zu spalten und ihre eigene, enge Definition von Kultur durchzusetzen. Die Antwort der Düsseldorfer Gesellschaft war ebenso klar: Kultur lebt von Freiheit, Vielfalt und kritischem Geist. Fast 2000 Menschen machten das unmissverständlich deutlich. Diese Stadt wird ihre kulturelle Offenheit verteidigen – auch wenn die Polizei im Nachhinein Demonstranten wegen Nötigung vorlädt. Die eigentliche Frage ist doch: Wer bestimmt eigentlich, was deutsche Kultur ist? Die Antwort darauf werden wir auch in Zukunft auf Düsseldorfs Straßen finden.
- Rund 2000 Menschen demonstrierten
- Matthias Helferich hielt keinen Vortrag
- Vielfältiger kultureller Widerstand
- Bündnis «Düsseldorfer Kultur für Demokratie»
- Behauptung der Freiheit der Kunst
- Unterschiedliche Behandlung durch Polizei
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Veranstaltung | Kulturspaziergang der AfD |
| Beteiligte | 2000 Menschen, Kulturschaffende |
| Protestform | Friedlicher Protest |
| Schutz durch Polizei | Für die AfD-Gruppe |
| Behauptung von Freiheit | Durch die Düsseldorfer Gesellschaft |
| Kulturdefinition | Eingeschränkt durch die AfD |