An einem Samstag im September rollt ein Langstreckenjet der Vietnam Airlines über das Ende der Startbahn am Münchner Flughafen hinaus – eine Staubwolke, Beinahe-Schreck, große Erleichterung, dass niemand verletzt wurde. Und dann, nur zwei Tage später, setzt ein Lufthansa-Airbus bei der Landung deutlich zu früh auf. Zwei Vorfälle in so kurzer Zeit, das lässt viele Passagiere mit Herbstreiseplänen aufhorchen. Ist das nur Zufall, oder steckt mehr dahinter? Ich habe in meiner Zeit als Reporterin in Baden-Württemberg oft gemerkt: Wenn sich lokale Ereignisse häufen, sucht man instinktiv nach einem gemeinsamen Grund.
Die Fakten sind schnell zusammengefasst: Die beiden Bahnen in München sind mit je vier Kilometern zwar lang, aber nicht ungewöhnlich. Frankfurt hat sogar drei Pisten ähnlicher Länge. Der Startunfall vom Wochenende beschädigte das Flugzeug, glücklicherweise blieb die Besatzung mit allen Passagieren unversehrt. Die Ermittlungen zu beiden Vorfällen laufen, die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ist dran.
Thomas Friesacher, ein erfahrener Luftfahrtexperte und früherer Pilot, den ich als sachkundigen Gesprächspartner schätze, winkt bei der Frage nach einem besonderen Schwierigkeitsgrad für München ab. „Grundsätzlich nein“, sagt er. Er bezeichnet den Airport als „internationalen Standardflughafen“, sowohl von der Anlage der Bahnen als auch von den Anflugverfahren her. Selbstverständlich könne komplexes Wetter wie Seitenwind oder Gewitter jeden Flughafen fordernd machen – das ist dann kein Münchner Alleinstellungsmerkmal, sondern gehört zum Job. Sein Credo zu den zwei Pannen in drei Tagen klingt beruhigend nüchtern: „Nach dem derzeit öffentlich bekannten Informationsstand spricht aus meiner Sicht nichts dafür, zwischen den beiden Ereignissen einen unmittelbaren Zusammenhang herzustellen.“
Er hat einen Punkt. Wenn man die Zahlen ansieht, relativiert sich das Gefühl der Häufung. An einem großen Drehkreuz wie München starten und landen täglich über 900 Maschinen. Hochgerechnet sind das etwa 337.000 Flugbewegungen im Jahr. Da ist statistisch betrachtet klar, dass sich auch mal zwei unabhängige Vorkommnisse in kurzem Abstand ereignen können. Es ist ein bisschen wie mit den regionalen Bahnstrecken, über die ich früher oft berichtet habe: Wenn auf einer vielbefahrenen Linie zwei Störungen kurz hintereinander auftreten, ist das unglücklich, aber nicht automatisch ein Systemversagen.
Trotzdem bleiben Fragen. Warum setzte der Airbus zu früh auf? Was genau passierte beim Start des Dreamliners? Die Antworten müssen die Experten liefern. Für uns als Reisende heißt das erstmal: Wachsam bleiben, aber nicht in grundlose Angst verfallen. Die Sicherheitsstandards in der Luftfahrt sind hoch, und jedes einzelne Ereignis wird bis ins Detail geprüft. Manchmal ist der auf den ersten Blick gruselig wirkende Zufall am Ende einfach nur das: Zufall. Mehr dazu bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung.
- Fakten zu den Vorfällen
- Dauer der Bahnen in München
- Statistiken der Flugbewegungen
- Meinung von Thomas Friesacher
- Sicherheitsstandards in der Luftfahrt
- Ermittlungen der BFU
| Vorfall | Datum | Beteiligte Airline | Folgen |
|---|---|---|---|
| Startunfall mit Vietnam Airlines | September | Vietnam Airlines | Flugzeug beschädigt, keine Verletzten |
| Frühe Landung mit Lufthansa | September | Lufthansa | Unklarheiten über den Vorfall |