48 Menschen sind in Hamburg seit November auf der Straße gestorben. Jetzt wirft das neue Winternotprogramm Fragen auf. Werden Obdachlose lieber in der Kälte bleiben als sich neuen Auflagen zu unterwerfen?
Ich habe in den letzten Wochen mit Helfern und Betroffenen gesprochen. Die Sorge ist groß. Das Programm selbst bleibt zwar zunächst niedrigschwellig. Neu ist aber die verbindliche Sozialberatung nach drei Nächten, die stärker mit Identitätsklärung und der Prüfung von Leistungsansprüchen verknüpft wird. Wer keinen Anspruch in Hamburg hat, soll auch über Hilfen oder eine Rückkehr ins Herkunftsland informiert werden.
„Eine geringere Inanspruchnahme erhöht die Gefahr von Erfrierungen deutlich“, sagt Stefanie Koch von der Diakonie Hamburg zu mir. Für sie muss der Zugang einfach bleiben, unabhängig von Status oder Herkunft. Jörn Sturm vom Straßenmagazin sagt: „Wir rechnen mit einem harten Winter und mehr medizinischen Notfällen.“
Die Sozialbehörde verteidigt den Kurs. Sie betont, niemand müsse für die Aufnahme einen Ausweis vorlegen. Ziel sei die „gezieltere Steuerung“ in dauerhafte Hilfen. Die Bilanz des letzten Winters zeigt jedoch, wie steinig dieser Weg ist: Aus rund 2600 Gästen und fast 5000 Beratungen führten nur 24 in eine eigene Wohnung.
Die entscheidende Frage bleibt unklar: Was passiert konkret, wenn jemand die Beratung ablehnt? Die Behörde spricht von Einzelfallprüfung, nicht von automatischem Ausschluss. Doch diese Unsicherheit kann auf der Straße fatale Wirkung haben. Menschen frieren nicht nach Verwaltungsvorschriften, sondern wenn sie sich nicht sicher fühlen.
Hamburg muss jetzt beweisen, dass sein neuer Kurs Hilfe beschleunigt, nicht verhindert. Denn am Ende zählt nur eine Zahl: wie viele Menschen den Frühling erleben.
- Zugang zu Notunterkünften
- Verbindliche Sozialberatung nach drei Nächten
- Identitätsklärung
- Prüfung von Leistungsansprüchen
- Information über Hilfen
- Rückkehr ins Herkunftsland
| Kategorie | Anzahl |
|---|---|
| Gestorbene Obdachlose | 48 |
| Gäste im letzten Winter | 2600 |
| Beratungen im letzten Winter | 5000 |
| Wohnungen geschaffen | 24 |