„Wenn der Rhein krank ist, kränkelt die deutsche Wirtschaft.“ Das sagte mir vor ein paar Jahren mal ein Schiffskapitän in Köln, und heute verstehe ich, was er meinte. HGK Shipping, einer der größten Binnenschifffahrtskonzerne Europas mit Sitz hier in Köln, schlägt Alarm. Ihr Vorschlag: Europa muss in den nächsten zehn Jahren bis zu 1.000 neue, speziell für Niedrigwasser gebaute Frachtschiffe auf den Weg bringen. Die Kosten? Bis zu 12,5 Milliarden Euro. Das klingt nach astronomischen Zahlen. Aber wer heute an den Kölner Rheinufern steht und die fast schon gespenstisch ruhige, aber viel zu niedrige Wasserstraße sieht, spürt: So kann es nicht weitergehen.
Die Forderung ist klar: Die Bundesregierung soll einen verlässlichen, langfristigen Förderrahmen schaffen. Das ist mehr als nur eine Branchenhilfe. Ökonomen der Deutschen Bank rechnen vor, dass das aktuelle Niedrigwasser das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um bis zu 0,4 Prozentpunkte drosseln könnte. Jedes Prozent weniger Wasser im Rhein bedeutet tonnenweise weniger Kohle, Chemikalien oder Getreide auf den Schiffen. Ein Binnenschiff ersetzt etwa 150 LKW. Wenn die Schiffe stillstehen oder nur halb beladen fahren, verlagert sich die Last auf die sowieso überlasteten Straßen – und die Kosten steigen für uns alle. Die neue Flotte soll flachere Rümpfe haben und mit modernster Technik auch bei wenig Wasser noch wirtschaftlich fahren. „Es geht um die Zukunftsfähigkeit des gesamten europäischen Güterverkehrs“, erklärt ein Sprecher von HGK. Ein Punkt, den man in Berlin und Brüssel ernst nehmen sollte.
- Flachere Rümpfe
- Modernste Technik
- Wirtschaftliches Fahren auch bei wenig Wasser
- Langfristiger Förderrahmen
- Reduktion von LKW-Verkehr
- Stärkung der wirtschaftlichen Resilienz
Für mich ist das eine jener deutschen Geschichten, bei der sich Klimawandel, Infrastruktur und Wirtschaftspolitik direkt begegnen. Früher, als ich über die Wasserschutzpolizei in Baden-Württemberg berichtete, waren Niedrigwasserperioden eine kurze Ausnahme. Heute sind sie fast schon ein Dauerzustand, der ganze Lieferketten ins Wanken bringt. Die milliardenschwere Investition ist gewaltig, ja. Aber die Kosten des Nichtstuns – für Unternehmen, Verbraucher und unsere Klimabilanz durch mehr LKW-Verkehr – sind es womöglich auch. Die Debatte in Köln und anderen Hafenstädten zeigt: Es braucht jetzt mutige Weichenstellungen, nicht nur für die Schifffahrt, sondern für unsere gesamte wirtschaftliche Resilienz. Die Frage ist, ob die Politik den Tiefgang für solche Langfrist-Investitionen hat.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Kapitän | Vor einigen Jahren in Köln |
| Unternehmen | HGK Shipping |
| Vorgeschlagene Schiffe | Bis zu 1.000 |
| Kosten | Bis zu 12,5 Milliarden Euro |
| Wirtschaftswachstum | Abnahme um 0,4 Prozentpunkte |
| Reduktion von LKW | Ein Binnenschiff ersetzt 150 LKW |