In München stehen mehr als eine Million Quadratmeter Büroflächen leer. Gleichzeitig fehlt bezahlbarer Wohnraum. Der künftige Oberbürgermeister Dominik Krause will aus verwaisten Büros mindestens 10 000 Wohnungen schaffen. Eine Studie des Ifo-Instituts zeigt: In sieben deutschen Großstädten könnten so 100 000 Menschen unterkommen.
Die Idee klingt verlockend. Bestehende Gebäude nutzen statt neu bauen – das schont Klima und Umwelt. Doch die Praxis ist kompliziert. Ich habe in den letzten Jahren mehrere solcher Umbauprojekte begleitet. Die Ernüchterung folgt meist schnell.
Frankfurt macht es vor. Seit 2015 entstanden dort 10 000 Wohnungen aus Büros. Doch 2024 waren es nur noch 630. Der Grund: explodierende Kosten. „Der Umbau ist oft genauso teuer wie ein Neubau», erklärt ein Stadtplaner aus München.
Badezimmer müssen eingebaut werden. Wasser- und Abwasserleitungen verlegt. Grundrisse komplett verändert. Hinzu kommen Auflagen für Brand- und Schallschutz. Bürogebäude gelten rechtlich als Sonderbauten. Das macht alles noch komplizierter.
Die Bundesregierung wollte helfen. Ein Förderprogramm sollte 2025 starten. Nun verschiebt es sich auf Juli 2026. Immerhin: 300 Millionen Euro sind eingeplant.
Was dabei herauskommt? Oft teure Eigentumswohnungen. In Konstanz wird gerade ein altes Telekom-Hochhaus umgebaut. Die Preise: gehoben. Oder Micro-Apartments für Studierende, wie im Münchner Osten geplant. Dort sollen wenigstens zehn Prozent bezahlbar bleiben.
Die Bauminister der Länder haben im November 2025 einige Hürden abgebaut. Baden-Württemberg ging voran. Doch die Architektenkammer mahnt: Es reicht noch nicht.
Der sogenannte Bauturbo könnte mehr bewegen. Seit 2025 dürfen Kommunen vom Planungsrecht abweichen. Krause will das nutzen. Auch in Gewerbegebieten soll Wohnraum möglich sein. Klingt gut – aber Betriebe behalten ihr Recht auf Lärm und Betrieb.
Ob aus leeren Büros wirklich bezahlbare Wohnungen werden, bleibt offen. Die Idee ist richtig. Die Umsetzung? Eine Geduldsprobe. München braucht beides: kreative Lösungen und langen Atem.