Mein neues Buch dreht sich um diese eine Frage: Warum fühlt sich so vieles falsch an, wenn doch eigentlich vieles besser wird? Das hat mich als Journalistin in den letzten Jahren zunehmend beschäftigt. Da ist diese tägliche Flut an beunruhigenden Nachrichten. Gleichzeitig stolpere ich in meiner Arbeit immer wieder über Fakten, die eine andere Geschichte erzählen. Nehmen Sie nur zwei Beispiele aus den letzten Wochen.
Die Lebenserwartung in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Das Statistische Bundesamt gab bekannt: Frauen werden im Schnitt 83,6 Jahre alt, Männer 79,1 Jahre. „Das ist ein stetiger, beeindruckender Trend, der vor allem auf Fortschritte in der Medizin und im Gesundheitssystem zurückgeht“, sagt eine Demografie-Expertin, mit der ich gesprochen habe. In den Labors wird an Durchbrüchen bei der Behandlung von Krebs und Alzheimer gearbeitet. Diese Zahlen sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis von kollektivem Fortschritt.
Gleichzeitig vollzieht sich eine stille Revolution in unserer Energieversorgung. Im vergangenen Jahr erzeugten Wind, Sonne und andere erneuerbare Quellen erstmals mehr Strom als die Kohle. In diesem Jahr deckten sie in den ersten neun Monaten über 60 Prozent unseres Stromverbrauchs. Ich erinnere mich an Debatten vor zwanzig Jahren, als dies viele für eine Utopie hielten. Heute ist es gelebte Realität. Das passiert nicht von selbst. Es ist das Ergebnis von politischen Entscheidungen, technischem Wandel und auch einer Gesellschaft, die diesen Wandel mitträgt.
Warum nehmen wir diese positiven Entwicklungen dann oft nicht wahr? Vielleicht, weil gute Nachrichten selten ein Gewitter sind. Sie sind eher ein beständiger, leiser Regen, der den Boden fruchtbar macht. Die schlechten Nachrichten dagegen schlagen wie ein Blitz ein – laut, grell und sofort sichtbar. Wir müssen lernen, beides zu sehen.
Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. Diese positiven Trends sind kein Selbstläufer. Sie brauchen Menschen, die sie verteidigen und voranbringen. Menschen, die auch dann Verantwortung übernehmen, wenn es unbequem wird. Es geht um eine Haltung. Um Anstand im besten Sinne. Das meine ich nicht als moralischen Zeigefinger, sondern als praktische Lebenshilfe. In meiner Zeit in den Landtagen von Stuttgart und München habe ich gelernt: Die großen Fortschritte entstehen meist im Kleinen, durch beharrliche Arbeit und den respektvollen Umgang miteinander – auch mit denen, die anders denken.
Das ist die Herausforderung für uns alle: Den Blick nicht von den Problemen abzuwenden, aber gleichzeitig die Fortschritte, die wir gemeinsam erzielen, anzuerkennen und daran weiterzuarbeiten. Nur so verliert man nicht den Mut. Und nur so wird aus der Hoffnung am Ende auch Wirklichkeit.
- Lebenserwartung steigt
- Fortschritte in der Medizin
- Erneuerbare Energien überholen Kohle
- Gesellschaftlicher Wandel
- Politische Entscheidungen
- Verantwortung übernehmen
| Entwicklung | Details |
|---|---|
| Lebenserwartung | Frauen: 83,6 Jahre, Männer: 79,1 Jahre |
| Erneuerbare Energien | 60 Prozent des Stromverbrauchs aus Wind und Sonne |
| Medizinische Fortschritte | Behandlung von Krebs und Alzheimer |