Seit Jahren steht die Rheinische Straße in Dortmund für ein Problem, das viele Städte kennen. Sichtbarer Drogenkonsum auf der Straße, weggeworfene Spritzen, die Anwohner verunsichern. Ab Montag soll sich das ändern. Dann öffnet «Kick West», der neue Drogenkonsumraum. Ich habe ihn mir vorab angesehen.
Oberbürgermeister Alexander Kalouti sagt deutlich: «Dies ist keine Einladung zum Drogenkonsum. Es ist ein Angebot der Schadensminderung und des Schutzes.» Die Zahlen geben ihm recht. In anderen Städten mit solchen Einrichtungen sank die Zahl der Drogentoten. Hier in Dortmund starben letztes Jahr 56 Menschen an den Folgen ihres Konsums. Jeder Einzelne ist einer zu viel.
Der Raum selbst wirkt klinisch sauber, fast steril. Das ist auch Absicht. Neben sterilen Utensilien stehen medizinisches Personal und Sozialarbeiter bereit. Sie sollen Überdosierungen verhindern und gleichzeitig den ersten Kontakt für einen Ausstieg anbieten. Aus meiner Berichterstattung in Stuttgart oder Hamburg weiß ich: Genau dieser niedrigschwellige Zugang ist oft der entscheidende Schritt. Man muss die Menschen erst mal erreichen, um ihnen helfen zu können.
Die Anwohner an der Rheinischen Straße hoffen vor allem auf mehr Sauberkeit und Sicherheit vor ihren Haustüren. Der Konsumraum zieht das Problem von der Straße in einen geschützten Raum. Ob das gelingt, wird sich zeigen. Kritiker befürchten eine Anziehungswirkung für den gesamten Stadtteil. Die Stadt setzt dagegen auf klare Regeln und eine enge Kooperation mit der Polizei.
Es ist ein schwieriger Balanceakt. Einerseits geht es um praktischen Gesundheitsschutz für Abhängige. Andererseits um die Lebensqualität der Bürger. Dortmund wählt hier einen Weg, der in vielen europäischen Metropolen bereits Standard ist. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt: mit der täglichen Praxis in den Räumen an der Rheinischen Straße. Mehr zum Konzept der Schadensminderung findet man beim Bundesgesundheitsministerium.
Letztlich stellt sich eine grundsätzliche Frage: Will man das Leiden nur verwalten, oder schafft man es, Menschen langfristig in ein Leben ohne Drogen zu begleiten? «Kick West» kann nur ein erster Teil der Antwort sein.
- Gesundheitschutz für Abhängige
- Sicherheit für Anwohner verbessern
- Sauberkeit auf den Straßen fördern
- Niedrigschwelliger Zugang zu Hilfsangeboten
- Präventionsmaßnahmen umsetzen
- Kooperation mit Polizei und sozialen Diensten
| Stadt | Drogentote letztes Jahr | Maßnahmen |
|---|---|---|
| Dortmund | 56 | Drogenkonsumraum «Kick West» |
| Stuttgart | xx | Niedrigschwellige Angebote |
| Hamburg | yy | Drogenschutzkonzepte |