Es ist wieder so weit im Frankfurter Nordend. An diesem Samstag strömen die Menschen in die Rotlintstraße, zwischen Friedberger Platz und Egenolffstraße, um ein Stück Stadtgeschichte zu feiern. Das Rotlintstraßenfest wird 40 Jahre alt. Was 1983 als kleine Nachbarschaftsinitiative der damals jungen Grünen begann, ist heute eine feste Institution. Für mich, die ich viele politische Veranstaltungen kenne, zeigt dieses Fest etwas Entscheidendes: Wie aus lokalem Engagement über Jahrzehnte echte Gemeinschaft wachsen kann.
„Wir sind das einzige nicht kommerzielle Straßenfest in Frankfurt, das es immer noch gibt“, sagt Karin Guder, die Ortsvorsteherin im Nordend, nicht ohne Stolz. Sie verweist darauf, dass längst nicht nur die Grünen, sondern die ganze Nachbarschaft dahintersteht. Eine benachbarte Bäckerei hat zum Jubiläum Hunderte Brötchen gespendet. Das Fest lebt von diesem Geist. Bis zu 3000 Besucher werden erwartet, in Wahljahren oder nach der Pandemiepause waren es oft noch mehr. Es ist der Ort, an dem sich die grüne Prominenz trifft – von den legendären Auftritten eines Joschka Fischer, der hier einst Bier zapfte, bis zur heutigen Generation um Omid Nouripour. Der Bundestagsabgeordnete sagt treffend: „Es ist Kultur, Tradition, ein Ort der Begegnung.“
Doch jenseits der Politik zeigt sich das wahre Gesicht des Fests an den Ständen der Kinderläden, am Apfelwein-Ausschank der Kelterei Matsch & Brei oder am voll ausgebuchten Flohmarkt. Hier tauschen Nachbarn Geschichten aus, Kinder verkaufen ihr ausrangiertes Spielzeug, und für einen Tag gehört die Straße den Menschen. Das ist keine Selbstverständlichkeit in einer Zeit, in der oft über Vereinzelung gesprochen wird.
Es ist bemerkenswert: Ein Fest, das von einer Partei initiiert wurde, hat sich zu einem neutralen Treffpunkt für den ganzen Stadtteil entwickelt. Vielleicht liegt darin sein Erfolgsgeheimnis. Es erinnert mich an ähnliche Feste in Hamburg oder Stuttgart, die aus der Bürgerbewegung entstanden sind. Sie halten etwas lebendig, das in der Großstadt leicht verloren geht: das Gefühl, Teil eines konkreten Ortes zu sein.
- Über 40 Jahre Tradition
- Bis zu 3000 Besucher
- Kinderläden und Flohmarkt
- Apfelwein-Ausschank
- Neutraler Treffpunkt für alle
- Teil der Gemeinschaft
Wenn am Samstagabend um 23 Uhr die Musik endet, bleibt mehr als nur ein sauberer Straßenabschnitt. Es bleibt das Wissen, dass diese Tradition, diese Nachbarschaft, weiterlebt. Einfach, weil man sich immer wieder trifft.
| Jahr | Ereignis | Besucherzahl |
|---|---|---|
| 1983 | Erstes Rotlintstraßenfest | 200 |
| 1993 | 10-Jahre-Jubiläum | 1000 |
| 2003 | 20-Jahre-Jubiläum | 1500 |
| 2013 | 30-Jahre-Jubiläum | 2500 |
| 2023 | 40-Jahre-Jubiläum | 3000 |