Seit anderthalb Jahren steht Willy Schmidt jeden Samstag hier. Unter der Paulinenbrücke, wo der Autolärm dröhnt und der Wind durchzieht. Mit einem großen Topf, Besteck und Tellern. Am kommenden Samstag wird er zum 200. Mal ein warmes, kostenloses Mittagessen an Menschen verteilen, die mit Suchterkrankungen kämpfen. Es sind oft dieselben Gesichter. Manche kommen seit dem ersten Tag. «Es geht nicht nur um das Essen,» sagt Schmidt. «Es geht um den Moment der Normalität. Um das Gefühl, gesehen zu werden.»
Die Aktion begann im Herbst 2023, fast beiläufig. Schmidt, ein Stuttgarter mit langjähriger Erfahrung in der Sozialarbeit, kochte einfach etwas mehr. Er stellte einen Tisch unter die Brücke und lud ein. Aus einer spontanen Geste wurde eine regelmäßige Institution. Ohne Vereinsstruktur, ohne große Spenden, getragen von einigen Ehrenamtlichen und Schmidts unbeirrbarer Überzeugung. Die Stadtverwaltung kennt die Initiative, unterstützt sie indirekt durch Duldung des Platzes.
Ich habe solche Orte oft besucht, von Hamburg bis München. Was in Stuttgart auffällt, ist die schlichte Kontinuität. Hier wird keine große Politik diskutiert. Es wird einfach gemacht. Eine warme Mahlzeit, ein kurzes Gespräch, eine Tasse Kaffee. «Manchmal reden wir, manchmal schweigen wir nur zusammen,» erzählt mir ein regelmäßiger Gast, der seinen Namen nicht nennen will. «Das Schweigen ist hier auch in Ordnung.» Das entlastet. An anderen Tagen sei die Scham, in der Innenstadt nach Hilfe zu fragen, einfach zu groß.
Die 200. Mahlzeit ist ein stilles Jubiläum. Es beweist, dass persönliches Engagement einen konkreten Unterschied macht. In Zeiten, in denen über Systeme und Milliardenpakete debattiert wird, erinnert Willy Schmidt an etwas Elementares: direkte Menschlichkeit. Sie füllt keine Formulare aus, sondern Teller.
| Aktivitäten | Beschreibung |
|---|---|
| Kochen | Wöchentliche Zubereitung von Speisen |
| Verteilen | Kostenloses Mittagessen an Bedürftige |
| Gespräche | Kurze Unterhaltungen mit Gästen |
| Gemeinschaft | Schaffung eines solidarischen Umfeldes |
| Unterstützung | Indirekte Unterstützung durch die Stadtverwaltung |
| Engagement | Persönliches dafür einsetzen |
Was kommt als Nächstes? Schmidt zuckt mit den Schultern. «Weitermachen,» sagt er. «Solange es nötig ist und ich kann.» Vielleicht ist das die eigentliche Nachricht. Hilfe hört nicht auf, wenn die Schlagzeilen wechseln. Sie wird einfach jeden Samstag, Punkt zwölf, unter einer Brücke in Stuttgart neu aufgetischt. Das verdient Respekt. Mehr als nur Applaus.