Ich lese die Meldung aus Lichtenberg und muss sofort an etwas denken, was mir eine Kollegin aus der Lokalredaktion vor Jahren sagte: „Öffentlicher Nahverkehr ist der soziale Puls einer Stadt.” Was dort passiert, spiegelt oft die Stimmung wider. In Berlin-Lichtenberg ist an einer Haltestelle genau dieser Puls gerade heftig gestockt. Eine 52-jährige Frau wurde, nach Polizeiangaben von Samstag, von einer Mutter und deren 17-jähriger Tochter angegriffen. Es begann in der Straßenbahn der Linie M16.
Nach bisherigen Erkenntnissen gab es zunächst einen verbalen Streit zwischen der 52-Jährigen und der Jugendlichen. Dann stieg, so die Polizei, die 42-jährige Mutter dazu. Was folgte, ist mehr als eine simple Rangelei. An der Haltestelle Möllendorffstraße eskalierte es: Schubsen, dann, laut Polizeibericht, fremdenfeindliche Beleidigungen. Schließlich schlug die Tochter mehrfach mit der Faust auf den Kopf der Frau ein. Die 52-Jährige zog sich eine Schwellung am Auge zu. Dass sie einen Rettungswagen ablehnte, spricht Bände – über den Schock, die Wut, vielleicht auch über ein Misstrauen, das über den Vorfall hinausreicht.
Besorgniserregend ist hier vor allem eines: Die Ermittlungen führt nicht die örtliche Direktion, sondern der Polizeiliche Staatsschutz. Das zeigt, dass die mutmaßlich fremdenfeindliche Motivation im Zentrum steht. Solche Vorfälle sind keine Einzelfälle mehr. Sie hinterlassen nicht nur bei den direkt Betroffenen eine Verletzung, sondern vergiften das Klima für alle. Wer sich danach noch sicher in eine Straßenbahn setzt?
- Verbalen Streitigkeiten
- Fremdenfeindliche Beleidigungen
- Eskalation am öffentlichen Ort
- Leichtere Verletzungen
- Rettungswagen abgelehnt
- Ermittlungen durch Staatsschutz
Als Reporterin habe ich ähnliche Meldungen leider schon zu oft gelesen. Sie beginnen meist mit „zunächst verbaler Streit” und enden mit einer Übernahme durch den Staatsschutz. Das Muster ist bekannt, die traurige Routine darf es nicht werden. Was in Lichtenberg passiert ist, ist ein Angriff auf unsere Art des Zusammenlebens. Darüber muss gesprochen werden – in Berlin und anderswo. Wo hört die persönliche Auseinandersetzung auf und wo fängt der Hass an, der uns alle etwas angeht?
| Aspekte | Details |
|---|---|
| Ort | Berlin-Lichtenberg |
| Alter der Frau | 52 Jahre |
| Alter der Tochter | 17 Jahre |
| Mutter | 42 Jahre |
| Art des Vorfalls | Fremdenfeindlicher Angriff |
| Ermittlungsbehörde | Polizeilicher Staatsschutz |