Ein halbes Jahr nach dem Brandanschlag auf die Stromversorgung in Berlin-Adlershof hat die Polizei zugeschlagen. 500 Beamte durchsuchten am Morgen 17 Objekte in vier Bundesländern. Vier Verdächtige im Alter zwischen 28 und 36 Jahren stehen im Fokus der Ermittler. Ihnen wird verfassungsfeindliche Sabotage vorgeworfen.
Der Anschlag vom 9. September 2025 hatte massive Folgen. Zunächst waren 50.000 Haushalte und Betriebe ohne Strom. Die Schäden in den betroffenen Firmen werden auf 30 bis 70 Millionen Euro geschätzt. Mutmaßliche Linksextremisten hatten einen Strommast angegriffen und Starkstromkabel zerstört. In einem Bekennerschreiben richtete sich die Aktion gegen den Technologiepark Adlershof.
Die Razzia konzentrierte sich auf Berlin, wo 14 Objekte durchsucht wurden. Vor Häusern in Kreuzberg und Wedding standen vermummte Polizisten. Auch eine anarchistische Bibliothek war Ziel der Aktion. Weitere Durchsuchungen fanden in Hamburg, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen statt. Berlins Innensenatorin Iris Spranger betonte: „Wer unsere kritische Infrastruktur angreift, greift die Sicherheit unserer gesamten Stadt an.»
Die Ermittlungen laufen seit Monaten. Eine eigens eingerichtete Gruppe „EG Spannung» des Landeskriminalamts Berlin arbeitet intensiv an dem Fall. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz ist beteiligt. BKA-Präsident Holger Münch warnt: „Angriffe auf die Infrastruktur durch Linksextremisten nehmen an Intensität zu.» Verbindungen zu den sogenannten Vulkangruppen, die einen weiteren Anschlag im Januar für sich reklamierten, sind bisher nicht bekannt.
Die Gewerkschaft der Polizei macht deutlich: Die Protagonisten sind bekannt. Aber ihnen die Taten nachzuweisen, bleibt extrem schwierig. Die heutigen Durchsuchungen zeigen: Die Sicherheitsbehörden geben nicht auf. Doch ob es zu Festnahmen kommt, ist offen. Der Kampf gegen Angriffe auf unsere Infrastruktur ist längst zu einem Dauerthema geworden – nicht nur in Berlin, sondern bundesweit.