Kurz vor der Berliner Wahl am 20. September ist ein neues Online-Tool im Gespräch. Der „Party-Check“ aus Potsdam will Wählenden Orientierung geben. Entwickelt wurde er von einem Forschungsteam der Universität Potsdam um Politikwissenschaftler Jan Philipp Thomeczek. 18 Fragen zu Themen wie Enteignungen, Klima oder dem Umgang mit der AfD sollen zeigen, wem man inhaltlich nahesteht. Ich finde es bemerkenswert: Hier fragen nicht die Parteien selbst, sondern wissenschaftliche Expertinnen und Experten bewerten deren Positionen.
„Die Parteipositionen stammen aus unserem ‚Länder Expert Survey‘“, erklärt Thomeczek. Dieser Ansatz soll eine unabhängigere Einschätzung liefern. Nutzer können auf einer Skala nicht nur ihre Zustimmung angeben, sondern auch gewichten, wie wichtig ihnen ein Thema ist. Am Ende sieht man in Prozent, wie groß die Übereinstimmung mit den Parteien in verschiedenen Bereichen ist. Das klingt nach einem feineren Werkzeug als die einfache Ja/Nein/Neutral-Logik anderer Tools.
Aus meiner Zeit in der politischen Berichterstattung weiß ich: Viele Menschen fühlen sich von der Fülle an Wahlprogrammen überfordert. Solche Tools können eine erste Brücke bauen. Besonders wichtig ist die mehrsprachige Verfügbarkeit – auf Englisch und erstmals für eine Landtagswahl auch auf Türkisch. Das ist ein Schritt zu mehr Teilhabe.
- 18 Fragen zu verschiedenen Themen
- Entwickelt von der Universität Potsdam
- Unabhängige Expertenbewertung
- Mehrsprachige Verfügbarkeit
- Hilfreiche Tool-Nutzung
- Spende der Daten für Forschung möglich
Am Montag folgt dann der klassische Wahl-O-Mat mit 38 Thesen. Beide Instrumente nebeneinander zu nutzen, könnte ein klareres Bild ergeben. Der Party-Check wird für alle fünf Landtagswahlen dieses Jahres angeboten. Wer will, kann seine Daten sogar für die Forschung spenden.
| Tool | Themen | Sprachen |
|---|---|---|
| Party-Check | Enteignungen, Klima, Umgang mit der AfD | Deutsch, Englisch, Türkisch |
| Wahl-O-Mat | 38 Thesen | Deutsch |
Welches Tool am Ende hilfreicher ist, müssen die Berlinerinnen und Berliner selbst ausprobieren. Eins ist sicher: Beide zeigen, wie digital und informiert Wahlhilfe heute sein kann. Die eigentliche Entscheidung trifft aber am Ende jeder allein – in der Wahlkabine.