Die Zahl der Gäste, die mit ihren Rollkoffern über die Hamburger Kopfsteinpflaster rumpeln, ist leicht gestiegen. Im ersten Halbjahr zählte die Stadt 7,76 Millionen Übernachtungen, ein Mini-Plus von 0,5 Prozent. Die Stabilität kommt vor allem von uns Deutschen – die Inlandsübernachtungen legten um 1,5 Prozent zu. Gleichzeitig zeigt sich eine Schere: Gäste aus dem Ausland übernachteten 3,5 Prozent weniger. Das sind die nackten Zahlen, aber hinter ihnen steckt eine milliardenschwere Maschine.
Tourismus ist für Hamburg viel mehr als nur volle Hotels. Eine aktuelle Studie beziffert die Bruttowertschöpfung auf satte 6,3 Milliarden Euro jährlich. Das Geld fließt in jeden Winkel der Stadt, vom Restaurant über den Musicalbetrieb bis zur Floristin, die die Hotellobbys schmückt. Rund 85.000 Jobs hängen direkt oder indirekt daran. „Die Leute geben aber weniger Geld aus“, beobachtet Michael Otremba, Chef der Hamburg Tourismus GmbH, genau hin. „Sie sparen sich die dritte Übernachtung oder nehmen das Vier- statt des Fünfsternehotels.” Inflation und globale Unsicherheit dämpfen die Ausgaben.
Doch die Hansestadt blickt vor allem nach Norden. Die große Hoffnung heißt Fehmarnbelttunnel. „Egal, wann er eröffnet, er wird einen positiven Effekt haben,” sagt Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD). Sie träumt von einer gemeinsamen Vermarktung mit Kopenhagen für Gäste aus den USA und Asien. Bis dahin, so mahnt sie pragmatisch, „müssen die Elbquerungen intakt sein.” Der aktuelle Werbefeldzug ist digital: 150 Reise-Influencer aus aller Welt werden im Oktober erwartet, um für Hamburg zu schwärmen.
- Steigende Gästezahlen
- Inlandsübernachtungen +1,5%
- Auslandsübernachtungen -3,5%
- Bruttowertschöpfung 6,3 Milliarden Euro
- 85.000 Jobs betroffen
- Weniger Ausgaben pro Aufenthalt
Von meinem Büro in Düsseldorf aus betrachtet, ist das klug. Hamburg setzt nicht nur auf Masse, sondern auf kluge Vernetzung und neue Märkte. Während andere Städte stagnieren, zeigt der Hafennorden, wie man mit realistischem Optimismus durch stürmische Zeiten steuert. Die dunklen Wolken am globalen Horizont wird das nicht vertreiben, aber vielleicht genug Sonne durchlassen, damit diese Wirtschaftsmaschine weiter brummt. Die Frage ist, ob der nächste Besucher sich den Nachtisch noch leisten kann.
| Aspekt | Wert |
|---|---|
| Übernachtungen (1. Halbjahr) | 7,76 Millionen |
| Inlandsübernachtungen | +1,5% |
| Auslandsübernachtungen | -3,5% |
| Bruttowertschöpfung | 6,3 Milliarden Euro |
| Direkt/indirekt betroffene Jobs | 85.000 |
| Weniger Ausgaben pro Aufenthalt | Ja |