Volkswagen scheut sich nicht mehr, es offen auszusprechen. Die Lage sei „mehr als kritisch“, sagte Konzernchef Oliver Blume kürzlich intern. Jetzt richtet er den gleichen dringenden Appell direkt an die Belegschaft: „Auf die nächsten Wochen kommt es an. Alle müssen mitziehen.“ Diese ungewöhnlich klaren Worte eines sonst diplomatischen Managers zeigen, wie sehr der Druck im größten europäischen Autobauer steigt. Nach den Werksferien laufen die außerordentlichen Betriebsversammlungen an – und die Gespräche mit dem Betriebsrat, der dem Vorstand Intransparenz vorwirft. Im September soll dann ein Zukunftsplan entschieden werden, der den Konzern von Grund auf verändern will.
Der Plan ist radikal. Volkswagen will seine Modellpalette langfristig um bis zu 50 Prozent verkleinern und die Zahl der Varianten um 75 Prozent reduzieren. Künftig soll jedes Auto wirtschaftlich mehr Gewicht tragen. Das bedeutet: Weniger Modelle, aber höhere Stückzahlen. Für welche Fahrzeuge sich der Konzern entscheidet, wird über die Zukunft ganzer Werke entscheiden. Blume nennt vier Standorte, für die nach 2030 noch keine wettbewerbsfähige Perspektive erkennbar sei: Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm. Besonders in Zwickau, dem Symbol für den Elektro-Kurs, blicken die Menschen angespannt auf mögliche neue Produktzusagen. Eine Linie läuft dort 2027 aus.
Aus meiner Zeit in den Werkshallen weiß ich: Solche Ankündigungen wirken nicht nur auf dem Papier. Sie erzeugen eine beklemmende Unsicherheit unter den Beschäftigten, die oft seit Generationen für den Konzern arbeiten. Blume betont, die weltweite Autoindustrie stecke in einer „Mega-Krise“ und Volkswagen sei mittendrin. Die Probleme sind vielfältig:
- schwache Nachfrage in Europa
- brutaler Wettbewerb aus China
- eine als zu teuer empfundene eigene Kostenstruktur
- veränderte Marktbedingungen
- technologische Herausforderungen
- Vorstandssicht auf erforderliche Sparmaßnahmen
Die bisherigen Sparmaßnahmen reichen aus Sicht des Vorstands nicht aus.
Was bedeutet das für uns? Am Ende geht es nicht nur um Einsparungen oder Stellen. Volkswagen entscheidet darüber, welche Art von Autobauer er in Zukunft sein will – und welche Rolle Deutschland in dieser neuen Landkarte noch spielt. Der Appell „Alle müssen mitziehen“ klingt nach harten Verhandlungen, die erst beginnen. Bis September wird sich zeigen, wie tief der Schnitt wirklich wird.
| Standorte | Wettbewerbsfähigkeit nach 2030 |
|---|---|
| Emden | nicht erkennbar |
| Hannover | nicht erkennbar |
| Zwickau | nicht erkennbar |
| Neckarsulm | nicht erkennbar |