Nach dem Spiel ist vor dem Schock: Die Bilder aus Mannheim von diesem Freitagabend sind schwer zu verdauen. 35 Polizistinnen und Polizisten wurden bei den Ausschreitungen im Carl-Benz-Stadion verletzt. Laut Angaben der Beamten mussten insgesamt 85 Personen medizinisch versorgt werden. Jetzt laufen Ermittlungen wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. Die Frage, die viele hier im Südwesten umtreibt, ist: Wie konnte es wieder so weit kommen?
Der Blick auf die Fakten zeigt ein bekanntes, aber eskalierendes Muster. Fans beider Lager warfen Pyrotechnik auf das Spielfeld und sogar in Richtung der Haupttribüne und der Einsatzkräfte. Als einige Fans dann den Platz stürmten, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Perspektiven darauf, wer die Lage anheizte, gehen jedoch stark auseinander. Der Fan-Dachverband „Pro Waldhof“ kritisiert das Vorgehen der Polizei scharf: „Die Einsatzkräfte haben nicht deeskalierend gehandelt,“ heißt es in einer Stellungnahme. Der Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray habe die Situation unnötig verschärft. Ganz anders sieht das Thomas Mohr, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft in Mannheim. Im SWR sagte er: „Wenn man die dingfest machen will, dann muss man auch teilweise so eine Einsatzmaßnahme durchführen.“ Die Gewalt, die dabei von Teilen der Ultras ausginge, sei erheblich. Aus meiner langjährigen Berichterstattung weiß ich: Diese gegensätzlichen Narrative prägen die Aufarbeitung solcher Vorfälle leider immer wieder.
Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) zieht eine klare Linie. Er betont: „Für die Sicherheit in den Stadien sind die Vereine zuständig.“ Das Sicherheitskonzept des SV Waldhof Mannheim sei „ganz offensichtlich“ nicht aufgegangen. Ein „Weiter so“ dürfe es nicht geben. Hagel will nun zeitnah mit Bundesligavereinen darüber sprechen, wie Sicherheitskonzepte bei Hochrisikospielen angepasst werden müssen. Der zentrale Punkt für ihn ist die schiere Menge an Pyrotechnik im Stadion. Wie kam sie hinein? Auch für Gewerkschafter Mohr ist nur das Ausmaß schockierend, nicht die Tatsache an sich. Aus seiner Erfahrung werden Sprengkörper teils schon Tage vorher von Fans mit Stadionzugang eingeschleust. Hier sieht er die Stadionbetreiber in der Pflicht. Mannheims Sicherheitsdezernent Volker Proffen (CDU) hat darauf direkt nach dem Spiel keine Antwort. „Wenn ich die Antwort kennen würde, wäre ich bundesweit ein gefragter Mann,“ gab er dem SWR gegenüber zu. Es handle sich um ein bundesweites Phänomen.
Die entscheidende Frage bleibt aber: Wie verhindern wir das nächste Mal? Der Würzburger Sportwissenschaftler Harald Lange spricht von einem „erneuten Tiefpunkt“ und einem Problem ohne langfristige Lösung. „Was mich irritiert, ist, dass im Nachgang immer die gleichen Routinen in der Auswertung stattfinden,“ sagt er. Strafen für Vereine zeigten oft nur begrenzte Wirkung, weil die Clubs häufig „gar keinen Zugriff auf ihre Fans“ hätten. Sein Lösungsansatz: Wir müssen die Fans erreichen, anstatt sie nur zu bestrafen. Die Polizeigewerkschaft hat eine andere, sehr konkrete Forderung: Vereine sollten sich an den horrenden Einsatzkosten für Hochrisikospiele beteiligen. Allein der Einsatz am Freitag dürfte nach Schätzung von Thomas Mohr rund eine Million Euro gekostet haben. Die Bilder von Mannheim werden noch lange nachwirken. Nun liegt es an allen Beteiligten – Vereinen, Politik, Polizei und auch den Fans selbst – aus den bekannten Routinen auszubrechen und endlich tragfähige Lösungen zu finden. Denn eins ist sicher: Die Gesellschaft erwartet zu Recht, dass Fußballspiele kein Kampfgebiet werden.
- 35 verletzte Polizistinnen und Polizisten
- 85 Personen medizinisch versorgt
- Ermittlungen wegen Körperverletzung
- Sicherheitskonzept nicht aufgegangen
- Vereine verantwortlich für Sicherheit
- Anpassung der Sicherheitskonzepte notwendig
| Kategorie | Anzahl |
|---|---|
| Verletzte Polizisten | 35 |
| Medizinisch versorgte Personen | 85 |
| Geschätzte Einsatzkosten | 1 Million Euro |