In Berlin prangen seit dieser Woche über 3.000 neue Plakate an U-Bahnhöfen und Bushaltestellen. Sie deklarieren die Hauptstadt zur „echten Stadt der Liebe“ und stellen sie damit in eine direkte, unbescheidene Konkurrenz zu Paris. Hinter der Kampagne steckt die BVG, die damit ihr seit Jahren etabliertes Motto „Weil wir dich lieben“ weiterspinnt. Geschätzte Kosten? Das Unternehmen nennt keine genauen Zahlen, doch die Werbeausgaben lagen im vergangenen Jahr bei gut 3,6 Millionen Euro. Eine Investition, die BVG-Chef Henrik Falk für entscheidend hält, um neue Mitarbeiter zu gewinnen und den öffentlichen Nahverkehr als emotionalen Lebensstil zu verankern.
„Paris ist die klischeehafte Liebe, Berlin die wahre Liebe“, erklärt Ineke Paulsen, die bei der BVG für Marketing verantwortlich ist. In einem neuen Imagefilm wird der „French Kiss“ dem sozialistischen „Bruderkuss“ von Breschnew und Honecker gegenübergestellt. Statt der Mona Lisa lächelt hier die Berliner Busfahrerin Mona. Die Botschaft ist klar: Echte Liebe findet man nicht im fernen Paris, sondern im alltäglichen Miteinander der Stadt. Diese Fokussierung auf das Lokale und Authentische finde ich bemerkenswert. Es ist ein Versuch, den Mythos einer Stadt nicht aus postkartenhaften Klischees, sondern aus ihrer realen, manchmal auch sperrigen Wirklichkeit zu schöpfen.
Kritik an den Millionenausgaben für Werbung gibt es immer wieder. Das Geld, so das Argument, könnte auch in den maroden Fahrzeugpark oder pünktlichere Verbindungen fließen. Falk kontert mit Zahlen: Acht von zehn Jobinteressenten bewürfen sich aufgrund des Images der BVG. In einer Zeit des Fachkräftemangels ist ein positives Markenimage kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für den Betrieb. Die Kampagne ist mehr als nur nettes Beiwerk. Sie ist Teil einer strategischen Neuausrichtung, die den ÖPNV aus der technokratischen Ecke holen und ihn mit Lifestyle und Emotionen aufladen will.
- 3.000 neue Plakate
- Kampagne der BVG
- Kosten von 3,6 Millionen Euro
- Fokus auf lokale Liebe
- Teil einer strategischen Neuausrichtung
- Positives Markenimage notwendig
Die Plakate werden voraussichtlich bis zum 10. September hängen. Ob sie Berlinerinnen und Berliner tatsächlich zu mehr Aufmerksamkeit füreinander anregen, wird sich zeigen. Vielleicht ist der wahre Test nicht, ob wir Paris den Rang als Stadt der Liebe ablaufen, sondern ob wir im hektischen Alltag der U8 oder an der vollen Bushaltestelle ein Stück mehr von dieser beworbenen „echten Liebe“ leben. Manchmal liegt der größte Erfolg einer Kampagne darin, dass sie uns diese Frage überhaupt stellt.
| Kategorie | Details |
|---|---|
| Plakatanzahl | 3.000 |
| Kampagnenziel | Markenimage stärken |
| Werbeausgaben | 3,6 Millionen Euro |
| Voraussichtliche Dauer | Bis 10. September |
| Fokus | Lokale Authentizität |
| Positives Feedback | 8 von 10 Bewerbungen |