Als ich letzte Woche durch einen Garten in Wiesbaden spazierte, fiel mir ein fast schon gespenstisch anmutendes, leuchtend grünes Insekt auf, das sich bewegungslos im Sonnenlicht aalt. Vor zwanzig Jahren wäre dies hier eine kleine Sensation gewesen. Heute ist es fast schon normal: Immer mehr Menschen in Hessen finden Gottesanbeterinnen an ihren Fenstern, in ihren Gärten oder wie Berthold Langenhorst vom NABU Hessen sogar in ihren Wohnungen in Wetzlar. Das erzählt mir etwas, was viele von uns spüren: Unsere Umwelt verändert sich schneller als wir denken.
Die Zahlen sind eindrucksvoll. Beim Portal „naturgucker“ häufen sich die Meldungen, besonders im Rhein-Main-Gebiet und entlang der Bergstraße. „Die wärmeliebende Mantis breitet sich seit einigen Jahren entlang der Rheinschiene nach Norden aus“, erklärt Langenhorst mir. Was mich überrascht, ist die Geschwindigkeit. Das Tier, das ich noch aus Berichten über mediterrane Länder kannte, ist längst kein Exot mehr. In diesem außergewöhnlichen Jahr 2026 wurden bundesweit bereits mehr als 20.000 Sichtungen gemeldet – doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr. „Die Hitze habe die Entwicklung der Tiere um Wochen beschleunigt“, so Langenhorst. Das ist keine Randnotiz aus der Tierwelt, sondern ein handfestes Signal.
Bei meinen Gesprächen mit Anwohnern in Darmstadt oder Frankfurt höre ich oft eine Mischung aus Faszination und leiser Besorgnis. Was bedeutet es, wenn eine Mittelmeerart plötzlich hier heimisch wird? Die Antwort des Experten ist klar: „Sie gehört zu den Klimagewinnern und wird künftig wahrscheinlich ganz Hessen besiedeln.“ Die Ausbreitung über die Wetterau bis nach Mittelhessen und ins Lahntal zeigt, dass keine Region mehr ausgenommen ist. Aus meiner Zeit in Baden-Württemberg weiß ich: Solche Veränderungen vollziehen sich oft lautlos, bis sie plötzlich für alle sichtbar werden.
Angst muss vor den Tieren niemand haben. Sie sind für Menschen völlig ungefährlich. Wer eine findet, kann sie einfach behutsam nach draußen setzen. Vielleicht sogar ein Foto machen und melden. Denn jede Meldung hilft, das Tempo dieses Wandels besser zu verstehen.
- Gottesanbeterinnen sind kein Exot mehr.
- Über 20.000 Sichtungen in 2026.
- Wärmeliebende Arten breiten sich aus.
- Änderungen in der Tierwelt sind schnell sichtbar.
- Keine Gefahr für Menschen.
- Meldungen helfen beim Verständnis des Wandels.
| Merkmal | Bedeutung |
|---|---|
| Lebensraum | Von Süd- nach Mittelhessen |
| Population | Steigt deutlich |
| Klimawandel | Direkte Auswirkung auf die Tierwelt |
Der kommende Winter wird zeigen, ob der Trend anhält. Die Eier der Gottesanbeterin überstehen milde Winter besser. Sollte der nächste Frost ausbleiben, könnten wir 2027 eine noch größere Population erleben. Die kleine Fangschrecke wird so zu einer großen Wegweiserin. Sie zeigt uns, wie konkret und unmittelbar der Klimawandel bereits in unseren eigenen Gärten angekommen ist. Es lohnt sich, hinzuschauen.