In Hamburg stehen aktuell mehr als 5.000 Haftbefehle aus. Diese Zahl, die der Senat jetzt auf eine parlamentarische Anfrage hin bestätigte, ist nicht nur eine Statistik. Sie ist ein echtes Sicherheitsproblem für jede Bürgerin und jeden Bürger dieser Stadt. Denn hinter jedem dieser offenen Befehle steht eine Person, gegen die ermittelt wird oder die eine Strafe absitzen müsste – sie ist aber nicht auffindbar.
Laut der Senatsantwort sind 5.130 Haftbefehle gegen 4.827 Personen im System. Die Behörden führen das darauf zurück, dass viele der Gesuchten unter ihren bekannten Adressen nicht angetroffen werden. Ihr Aufenthalt sei unbekannt. Man weiß oft nicht einmal, ob sie sich noch in Deutschland aufhalten. Das klingt für mich nach einer riesigen Herausforderung für Polizei und Justiz. Aus meiner langjährigen Berichterstattung weiß ich: Eine effektive Fahndung braucht Ressourcen und engmaschige Kooperation. Ob die hier ausreichen muss man angesichts dieser Zahlen ernsthaft hinterfragen.
Die Zusammensetzung der Gesuchten ist auffällig. Nur 374 der Personen mit Haftbefehl besitzen einen deutschen Pass. Über 4.400 haben ausschließlich eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die größten Gruppen kommen aus:
- Türkei
- Polen
- Georgien
- Rumänien
- Afghanistan
- Sonstige
Der AfD-Fraktionsvorsitzende Dirk Nockemann spricht von einer „Bankrotterklärung“ und fordert konsequente Abschiebungen nach Strafverbüßung. Diese politische Debatte ist vorhersehbar, aber sie löst das praktische Problem nicht. Die Frage ist doch: Wie kann die Polizei in einer weltoffenen Millionenstadt wie Hamburg effektiver fahnden, unabhängig von der Herkunft der Gesuchten?
Die Antwort des Senats bleibt hier vage. Es wird nicht mitgeteilt, welche Delikte genau vorliegen oder wie lange die Haftbefehle schon offen sind. Das macht eine sachliche Einschätzung der tatsächlichen Gefahr schwer. Handelt es sich um Bagatelldelikte oder um Gewaltstraftaten? Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Priorisierung der Fahndung. Eine gezielte Offensive, wie sie auch die AfD-Fraktion fordert, wäre sicher sinnvoll – aber sie muss klug und datenbasiert ansetzen, nicht pauschal.
| Staatsangehörigkeit | Anzahl der Haftbefehle |
|---|---|
| Deutsch | 374 |
| Türkei | 4.400+ |
| Polen | N/A |
| Georgien | N/A |
| Rumänien | N/A |
| Afghanistan | N/A |
Mehr als 5.000 unvollstreckte Haftbefehle sind ein Alarmsignal. Sie zeigen eine Lücke im Vollzug auf, die das Vertrauen in den Rechtsstaat aushöhlt. Die Menschen in Hamburg wollen und haben ein Recht darauf, dass geltendes Recht auch durchgesetzt wird. Die Stadt steht hier vor einer mammuten Aufgabe. Es geht jetzt darum, nicht nur über Zahlen zu streiten, sondern konkrete, wirksame Maßnahmen für mehr Sicherheit zu finden. Denn am Ende zählt für die Menschen auf der Straße nur eines: dass die Gesetze, die sie schützen sollen, auch wirklich greifen.