An der Spitze der Berliner Justizverwaltung steht eine Senatorin, deren wissenschaftliche Integrität nun selbst auf dem Prüfstand steht. Felor Badenberg (CDU) lässt ihre juristische Doktorarbeit von 2005 durch die Universität zu Köln überprüfen. Der Auslöser: Ein Gutachten des sogenannten Plagiatsjägers Stefan Weber, das dem rechten Portal Nius vorlag und bundesweit für Diskussionen sorgt. Weber will mehr als 80 schwerwiegende Plagiatsstellen gefunden haben – eine Zahl, die, wenn sie sich bewahrheitet, weit über das übliche Maß hinausgeht.
„Die Dissertation wurde nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt“, sagte Badenberg dem „Tagesspiegel“. Gleichzeitig bat sie ihre Alma Mater um eine unabhängige Prüfung. In Webers Analyse liest sich das anders. Seine drastische Schlussfolgerung: Es handele sich um den „schwersten mir bekannten Plagiatsfall in der bundesdeutschen Rechtswissenschaft seit Karl-Theodor zu Guttenberg“. Die Fundstellen seien „werkprägend“ und würden die Arbeit dominieren. Besonders pikant: Selbst in der Danksagung an ihre Eltern soll es Probleme geben. Das berührt eine zutiefst persönliche Stelle jeder Promotion.
Die politischen und symbolischen Dimensionen sind kaum zu übersehen. In Badenbergs Ressort sitzt das Prüfungsamt für die juristischen Staatsexamen in Berlin und Brandenburg. Es geht also um Glaubwürdigkeit an einer zentralen Stelle der Rechtspflege. Berlin hat in den letzten Jahren eine traurige Serie solcher Fälle erlebt, von Franziska Giffey bis zu Manja Schreiner. Beide mussten nach Aberkennung ihrer Titel von Ministerämtern zurücktreten. Diese Vorgeschichte lastet schwer auf der aktuellen Debatte und schürt die öffentliche Erwartung an Konsequenz.
- Vertrauensverlust in öffentliche Ämter
- Glaubwürdigkeit der Justizverwaltung
- Ehemalige Minister und ihre Rücktritte
- Öffentliche Erwartung an Konsequenzen
- Unabhängige Prüfungen
- Politische Karrieren unter Druck
Meine Beobachtung aus zwei Jahrzehnten politischer Berichterstattung ist, dass solche Vorwürfe nie nur Privatsachen bleiben. Sie werden zu Lackmustests für das Vertrauen in öffentliche Ämter. Badenberg, die als Parteilose unter Wegner startete und sich bis in den CDU-Bundesvorstand hocharbeitete, steht nun an einem kritischen Punkt ihrer Karriere. Die kommende Prüfung der Universität Köln wird nicht nur über Fußnoten entscheiden, sondern auch über politische Zukunft.
Was bleibt, ist die Frage, wie eine Gesellschaft mit dem Vertrauensverlust umgeht, wenn er diejenigen trifft, die Recht und Wissenschaft verwalten sollen. Die Antwort darauf gibt sie sich letztlich selbst. Mehr dazu beim Wissenschaftsrat.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Senatorin | Felor Badenberg (CDU) |
| Prüfungsinstitution | Universität zu Köln |
| Plagiatsjäger | Stefan Weber |
| Plagiatsstellen | Über 80 |
| Vergleichsfall | Karl-Theodor zu Guttenberg |
| Politische Dimensionen | Glaubwürdigkeit der Justizverwaltung |