Viele Menschen in meinem Heimatort Düsseldorf sind verunsichert. Die Bundesregierung plant, die abschlagsfreie Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen. Gleichzeitig verlieren immer mehr ältere Kollegen ihren Job, oft mit 57 oder 58. Eine seltsame Gemengelage.
Laut aktueller Arbeitslosenstatistik sind über 360.000 der 1,05 Millionen Bezieher von Arbeitslosengeld 55 Jahre oder älter. Das ist jedes dritte gemeldete neue Arbeitslosengeld. „Ältere Arbeitslose finden häufig nicht in den Arbeitsmarkt zurück“, bestätigt mir Ulrich Walwei vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Dabei arbeiten heute viel mehr 60- bis 64-Jährige als noch vor zehn Jahren. Die Zahlen steigen, doch die Realität in den Betrieben sieht oft anders aus.
Ich beobachte seit Jahren, wie sich die Stimmung dreht. Vor der Pandemie ging es in vielen Gesprächen noch darum, wie man schnell den Arbeitgeber wechselt. Heute dominieren die Ängste vor Kündigung und dem finanziellen Absturz vor der Rente. Die Arag-Versicherung hier in Düsseldorf wirbt sogar mit einer Kampagne, die genau diese Sorge bedient. Das spricht Bände.
Was bedeutet das konkret für Sie? Zwei Welten prallen aufeinander: Die Politik verlangt länger zu arbeiten, während viele Unternehmen gerade die älteren, teureren Kräfte loswerden wollen. Die geplante Abschaffung der Rente mit 63 trifft also auf eine Arbeitswelt, die viele Boomer schon vor der Tür sieht.
Mein Rat als Journalist, der diese Debatten seit der Finanzkrise verfolgt: Nutzen Sie die vorhandenen Spielräume, solange es geht. Wenn Sie die 45 Beitragsjahre voll haben, ziehen Sie den vorzeitigen Ruhestand ernsthaft in Betracht. Die Bedingungen werden nicht besser. Selbst wenn Sie später nochmal arbeiten wollen – als Rentner haben Sie eine starke Verhandlungsbasis für einen neuen Vertrag.
- Informieren Sie sich bei der Deutschen Rentenversicherung
- Über Teilrente oder den Kauf von Rentenpunkten informieren
- Stärken Sie Ihre Position
- Rechtschutzversicherung in Betracht ziehen
- Gewerkschaftsmitgliedschaft kann wert sein
- Fordern Sie Ihren Anteil an der Flexibilität
Es geht hier nicht um Bequemlichkeit, sondern um selbstbestimmte Entscheidungen in einer unsicheren Zeit. Denn Solidarität darf keine Einbahnstraße sein.
| Alter | Bewohner | Bezieher von Arbeitslosengeld |
|---|---|---|
| 55 Jahre oder älter | 1,05 Millionen | über 360.000 |
| 60- bis 64-Jährige | zunehmend | n/a |