In Wolfsburg herrscht düstere Stimmung. Volkswagen-Chef Oliver Blume hat die Lage des Konzerns intern als „mehr als kritisch“ beschrieben – ein harter Ausdruck, der sich wie ein Schock durch die Belegschaft verbreitet hat. Die operative Rendite von 3,8 Prozent sei zwar für das schwierige Umfeld solide, reiche aber nicht für Zukunftsinvestitionen, so Blume. Das ist eine bittere Diagnose für Deutschlands größten Autobauer.
Die Folgen dieser Analyse sind radikal. Nach Informationen der dpa, die aus einem internen Interview stammen, plant Blume einen drastischen Umbau. Kernstück: Eine Verlagerung der Produktion aus Deutschland. Demnach sollen die Werke in Zwickau und Emden bereits 2031 schließen, Hannover würde 2023 folgen. Auch die Konzernstruktur steht auf dem Prüfstand. Blume denkt über die Ausgliederung der Kernmarke VW und des Zulieferbereichs „Komponente“ in eigenständige Gesellschaften nach. Das Zielbild ist eindeutig: Konzentration auf wenige Standorte und massive Kostensenkung.
Die menschliche Dimension ist enorm. Neben bereits vereinbarten 50.000 Stellen würden weltweit weitere 50.000 Arbeitsplätze bis 2030 wegfallen. Das macht den Plan für viele zu einer Existenzfrage. „Diese Rendite reicht bei Weitem nicht aus, um dauerhaft ausreichende Mittel zu erwirtschaften“, sagte Blume. Ich habe in den letzten Jahren viele solcher Turnaround-Pläne großer Konzerne beobachtet. Selten waren die Konsequenzen für die deutsche Industrie-Landschaft so konkret und tiefgreifend skizziert.
Doch ob Blume seine Pläne umsetzen kann, ist alles andere als sicher. Das Land Niedersachsen als wichtiger Aktionär und die mächtige IG Metall stemmen sich dagegen. Im Aufsichtsrat fand er bisher keine Mehrheit. Ab heute startet eine Reihe von neun Betriebsversammlungen, unter anderem in Wolfsburg, Emden und Zwickau. Dort wird der Vorstand den besorgten Mitarbeitern Rede und Antwort stehen. Das sind die Orte, an denen die abstrakten Zahlen auf die ganz persönliche Ebene treffen.
Für die deutsche Wirtschaft wäre eine Umsetzung dieser Pläne ein historischer Einschnitt. Es geht um mehr als ein Unternehmens-Restructuring; es geht um die Zukunft der industriellen Wertschöpfung in der Bundesrepublik. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Blume den notwendigen Rückhalt für seinen harten Sparkurs findet – oder ob am Ende die mächtigen Interessen innerhalb und außerhalb des Konzerns den radikalsten Umbau in der VW-Geschichte doch noch verhindern. Die nächsten Wochen entscheiden über Zehntausende Existenzen und den Charakter eines nationalen Symbolunternehmens.
- Volkswagen plant drastischen Umbau
- Verlagerung der Produktion aus Deutschland
- Schließung der Werke in Zwickau und Emden
- Ausgliederung der Kernmarke VW und Zulieferbereich
- Geplanter Abbau von 100.000 Stellen bis 2030
- Harter Sparkurs zur Zukunftssicherung
| Jahr | Produktion | Maßnahme |
|---|---|---|
| 2023 | Hannover | Schließung geplant |
| 2031 | Zwickau | Schließung geplant |
| 2031 | Emden | Schließung geplant |
| 2030 | Weltweit | 50.000 Stellenabbau |