In Baden-Württembergs Städten spürt jeder, der eine Wohnung sucht, die Enge am Markt. Jetzt ist viel von einem «Silver Tsunami» die Rede – Millionen Immobilien der Babyboomer-Jahrgänge könnten in den nächsten zwei Jahrzehnten frei werden. Eine Studie der Plattform Jacasa schätzt, dass diese Generation fast fünf Millionen der deutschen Wohneigentümer stellt. Die erste Hoffnung: Mehr Angebot, sinkende Preise. Doch die Realität wird komplexer, wie mir Pekka Sagner, Immobilienökonom am Institut der deutschen Wirtschaft, erklärte.
«Entscheidend ist nicht nur, wie viele Immobilien potenziell frei werden, sondern ob sie dort frei werden, wo junge Haushalte Wohneigentum suchen», sagt Sagner. In wirtschaftsstarken Zentren wie Stuttgart, Karlsruhe oder Freiburg trifft jedes zusätzliche Angebot auf eine so hohe Nachfrage, dass es kaum Entlastung geben wird. Die strukturelle Knappheit bleibt. Ganz anders sieht es in Regionen mit schwächerer Nachfrage aus. In Kreisen wie Konstanz oder dem Bodenseekreis, wo der Boomer-Anteil am höchsten ist, könnte der demografische Wandel spürbar werden. «Das betrifft tendenziell eher periphere und wirtschaftsschwächere Regionen», so Sagner.
Was bedeutet das für die Preise? Die IW-Studie von Sagner prognostiziert bis 2035 weiter steigende Preise für den Großteil Baden-Württembergs. Nur in sechs, meist ländlicheren Kreisen wie dem Main-Tauber-Kreis oder dem Zollernalbkreis wird ein Rückgang erwartet. Aus meiner langjährigen Beobachtung wird klar: Die große Welle löst nicht das grundlegende Problem der Ballungsräume. Kurzfristig sind Zinsen und Baukosten ohnehin wichtiger. Die Babyboomer-Immobilien werden den Markt nicht fluten, sondern ihn regional unterschiedlich prägen. Die Kluft zwischen begehrten Städten und dem Umland dürfte sich so noch vertiefen.
- Wachstum der Babyboomer-Immobilien
- Nachfrage in wirtschaftsstarken Zentren
- Strukturelle Knappheit
- Regional unterschiedliche Marktprägung
- Prognosen bis 2035
- Kluft zwischen Städten und Umland
| Region | Preisentwicklung |
|---|---|
| Baden-Württemberg (gesamt) | steigend |
| Main-Tauber-Kreis | rückläufig |
| Zollernalbkreis | rückläufig |
| Wirtschaftsstarke Zentren | steigend |
| Konstanz | steigend |
| Bodenseekreis | steigend |