„Hier riecht es nach Kohle. Nichts als Kohle.“ Feuerwehrmann Leo hebt die Hand, wirft einen Blick in die Kronen der Fichten. Eine Woche lang wütete das Feuer im Hürtgenwald, 20 Kilometer vor Aachen. Es war der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Die offenen Flammen sind gelöscht, aber der Kampf geht weiter. „Die Gefahr glimmt unter der Oberfläche“, sagt Leo, während er mit dem Quad eine frisch geschlagene Schneise entlangfährt. Sein Blick sucht nach Rauchwölkchen zwischen den verkohlten Stämmen.
Die Apokalypse hinterließ eine schwarze Landschaft. Der Boden ist aufgeweicht von Millionen Litern Löschwasser, die aus Hubschraubern abgeworfen wurden. Helge, dessen Haus am Waldrand steht, erinnert sich an den Ausbruch. „Der Kamm war rot – auf einer Breite von 600 Metern nichts als Flammen.“ Die Evakuierung von 1.800 Menschen aus dem Ort Gey folgte in der Nacht. Innerhalb weniger Stunden war aus einem lokalen Brand eine Großlage geworden, die bis in NRW-Ministerien Krisenstäbe auf den Plan rief.
Das Feuer traf auf einen Wald, der bis in zwei Meter Tiefe ausgedörrt war. Der Deutsche Wetterdienst meldete den trockensten Juli seit 1881 für NRW. Ein perfekter Nährboden. Dass solche Bilder nicht mehr nur aus Südeuropa kommen, ist die eigentliche Nachricht dieses Sommers. Die Europäische Umweltagentur warnt seit Jahren vor dieser Verschiebung. Hier im Hürtgenwald kam eine historische Gefahr dazu: Blindgänger aus der verlustreichen Schlacht von 1944. Während des Brands detonierten sie in der Hitze, eine surreale Begleitmusik zur Katastrophe.
Bürgermeister Stephan Cranen wirkt erleichtert, als er auf der Holzbank auf dem Dorfplatz steht. „Danke!“ ist darauf eingraviert, für die über 1.800 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW und Bundeswehr. Die Koordination hatte eine „unglaubliche Geschwindigkeit“, erzählt er. Jetzt kehrt langsam Ruhe ein. Das Fest für Helfer und Anwohner ist schon in Planung.
Doch für Menschen wie Helge ist es noch nicht vorbei. Sein Haus steht, aber es ist voller Wasser von der Dachberieselung. Die Verarbeitung setzte erst später ein. „Nachdem ich wieder zurück durfte, gingen bei mir die Lichter aus“, sagt er. Er ist diese Woche nicht arbeiten gegangen. Das Feuer hat sich tief eingebrannt, in den Wald und in die Menschen. Der offizielle Einsatz ist beendet. Der eigentliche Brand, der unter der Oberfläche, glimmt weiter.
- Waldbrand in Hürtgenwald
- Evakuierung von 1.800 Menschen
- Trockenster Juli seit 1881
- Blindgänger aus 1944
- Über 1.800 Einsatzkräfte
- Unglaubliche Koordination
| Ereignis | Details |
|---|---|
| Waldbrand | Hürtgenwald |
| Dauer | Eine Woche |
| Evakuierte Personen | 1.800 |
| Trockenheit | Trockenster Juli seit 1881 |
| Blindgänger | Ja |
| Einsatzkräfte | Über 1.800 |
Mehr zu Waldbrandgefahren und Vorbeugung beim Umweltbundesamt.