Stuttgart steht kurz vor der größten Volksfest-Saison des Jahres, aber hinter den Kulissen des Cannstatter Wasens hat sich etwas Grundlegendes verändert. Nach Monaten, in denen die Staatsanwaltschaft wegen eines möglichen Korruptionsfalls ermittelte, setzt die städtische Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart jetzt auf ein neues, transparentes Verfahren für die Vergabe der begehrten Standplätze. Für 730 angemeldete Beschicker ging es dabei um alles – nur 240 haben den Zuschlag für das Volksfest 2025 erhalten. Die Frage ist: Nach welchen Regeln wird jetzt entschieden, wer im Herbst sein Riesenrad oder seinen Imbissstand aufbauen darf?
„Ich glaube, dass davor gar nicht so viel falsch gelaufen ist“, sagt Christian Eisenhardt von in.Stuttgart über die Zeit des ehemaligen, nun freigestellten Mitarbeiters. Dennoch ist das Vertrauen erschüttert. Die Antwort der Stadt heißt: Kontrolle. Ein Vier-Augen-Prinzip bei der Bewertung und eine interne Ombudsperson, an die sich ungerecht behandelte Schausteller wenden können, sollen künftig Missbrauch verhindern. Das Herzstück ist ein detaillierter Katalog mit rund zehn Kriterien. „Es wird geprüft, welche Lichter die Räder haben, ob es vielleicht sogar einen LED-Screen für Imagefilme gibt oder sonstige Besonderheiten“, erklärt Mark Roschmann, Vorsitzender des Schaustellerverbands. Attraktivität, Beleuchtung, Tradition – all das fließt in eine Punktzahl ein. Der mit der besten Bewertung bekommt den Zuschlag. Wer abgelehnt wird, erhält erstmals ein formales Schreiben mit einer Begründung.
Aus meiner Zeit in der Lokalberichterstattung weiß ich: Vergabeverfahren sind oft black boxes, die Misstrauen säen. Roschmann lobt zwar die aktuellen Abläufe, macht aber auch die grundsätzliche Gefahr klar: „Es schleicht sich eine Routine ein – im Sinn von: das hat man immer so gemacht. Da muss man sich selbst immer wieder in Frage stellen. Und wenn man das nicht macht, dann wird das komisch.“ Genau diese kritische Selbstbefragung scheint jetzt institutionalisiert zu werden. Es ist ein Schritt hin zu mehr Fairness, der über Stuttgart hinaus Schule machen könnte.
Die Lehre aus diesem Fall ist deutlich: Transparenz ist kein Luxus, sondern die Grundlage für öffentliches Vertrauen. Das neue Verfahren ist ein Testlauf. Ob es die alten Seilschaften wirklich durchbricht, wird sich zeigen, wenn im nächsten Herbst die ersten Beschwerden bei der neuen Ombudsperson eingehen. Die Frage bleibt: Reicht ein besserer Prozess, um eine Kultur des Misstrauens zu überwinden?
- Neues transparentes Verfahren
- 730 angemeldete Beschicker
- 240 Standplätze für Volksfest 2025
- Vier-Augen-Prinzip bei der Bewertung
- Detaillierter Katalog mit Kriterien
- Formales Schreiben für Ablehnung mit Begründung
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Attraktivität | Wie ansprechend ist der Stand gestaltet? |
| Beleuchtung | Welche Art von Beleuchtung wird verwendet? |
| Tradition | Wie gut wird die lokale Tradition repräsentiert? |
| Technologische Innovation | Gibt es innovative Technologien wie LED-Screens? |
| Besonderheiten | Gibt es spezielle Merkmale, die den Stand hervorheben? |
| Bewertung | Wie gut schneidet der Stand insgesamt ab? |