Harald Frießner legt seine Dienstmarke bald endgültig ab. Ende November wird der Kriminalhauptkommissar nach 46 Jahren pensioniert. Doch die Arbeit, die er in den letzten drei Jahren geprägt hat, wird weitergehen. Sein Posten als erster bayerischer Polizeibeauftragter gegen Hasskriminalität mit Schwerpunkt Antisemitismus war ein Pilotprojekt. Über 500 Fälle hat er in dieser Zeit begleitet. Von Schmierereien an Synagogen bis zu handfesten Bedrohungen auf Schulhöfen und an Hochschulen. „Redet miteinander, tauscht Euch aus“, appelliert er stets. Sein Verdienst ist es, dass dieser Austausch heute stattfindet.
Er etablierte feste Ansprechpartner an Münchner Universitäten, wo jüdische Studierende sich melden können. Er vernetzte junge Polizisten direkt mit Vertretern der jüdischen Gemeinde. Bei einer großen Podiumsdiskussion brachte er kürzlich 250 Beamte, Justizvertreter und Gemeindemitglieder zusammen. „Man muss das Bewusstsein schärfen, was Antisemitismus mit Menschen macht“, sagt Frießner. Die Geschichten, die er hört, sind erschütternd. Da ist die Studentin, die in der Mensa niedergedrückt und bedroht wurde. Oder der zwölfjährige Junge, dem Mitschüler Prügel androhten und der gerade noch mit dem Fahrrad fliehen konnte.
Für dieses Engagement erhielt er im Juli den Fritz-Neuland-Gedächtnispreis von Justizminister Georg Eisenreich. Eine große Anerkennung. Doch Frießner sieht vor allem die Lücke, die sein Ausscheiden reißt. Wer setzt diese sensible Arbeit fort? Die Gemeinschaft fühlt sich verunsichert, das spürt er bei jedem Gespräch.
- Über 500 Fälle begleitet
- Schwerpunkt Antisemitismus
- Etablierte Ansprechpartner an Universitäten
- Vernetzung mit jüdischer Gemeinde
- Podiumsdiskussion mit 250 Teilnehmern
- Fritz-Neuland-Gedächtnispreis erhalten
Seine Antwort darauf ist ein persönliches Versprechen. Er wird nicht aufhören. Als neu gewähltes Mitglied im Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg will er den Kampf gegen Hass ehrenamtlich weiterführen. „Viele Ideen habe ich schon“, sagt er. Eine Pensionierung im herkömmlichen Sinn ist das nicht. Es ist die Weitergabe einer Verantwortung, die gerade jetzt niemand fallen lassen darf.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Position | Kriminalhauptkommissar |
| Jahre im Dienst | 46 |
| Fokus | Hasskriminalität, Antisemitismus |
| Preis | Fritz-Neuland-Gedächtnispreis |
| Teilnehmer Podiumsdiskussion | 250 |
| Zukünftiges Engagement | Mitglied Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg |